Bewerberglück?


Bewerberglück?

New York, Ende der 20er Jahre trug sich diese Geschichte, so erzählt man sich, wirklich zu.
Wie bekannt, herrschte auch damals große Arbeitslosigkeit. Die New Yorker Telegrafen¬Firma „Western Union Telegraph Company“ hatte einen Job für einen Morse-Operator ausgeschrieben. Damals wurden die neuesten Nachrichten mit Hilfe eines Apparates übermittelt, den Samuel Morse im Jahr 1833 entwickelt hatte (s. Bild).

In dem Stellenangebot war, wie wir es heute noch kennen, ein jugendlicher, belastbarer Mensch gefragt, der mindestens 10 Jahre Berufserfahrung haben sollte. Es meldeten sich über 800 Personen. Davon wurden 300 eingeladen.

Damals waren die Gebäude noch großzügig gebaut und so hatte die Firma eine ausladende Empfangshalle, von der aus einzelne Gänge ins Innere des Gebäudes führten. Über einen von ihnen gelangte man zu den Rekrutierungsräumen der Personalabteilung.

Die Bewerber erhielten bei der Ankunft Nummern, nach denen sie aufgerufen werden sollten. Stühle gab es nur wenige und so setzten sich viele auf den kalten Steinfußboden, um zu warten.

Es war ein heißer Tag im August. Der Bewerberstrom ebbte nicht ab. Die Stimmen der Menschen in der Halle wurden von einem ständigen Hämmern im Hintergrund überlagert.

Da trat ein Mann in die Halle, zog die Nummer 254 und suchte sich einen Platz. Er hörte wie gerade der Bewerber mit der Nummer 87 aufgerufen wurde. Ihm wurde sofort klar, dass es noch lange dauern würde, bis er an der Reihe war. Daher setzte auch er sich auf den Boden, um zu warten.

Es dauerte keine zwei Minuten, da schoss er hoch, ging geradewegs zur anderen Seite der Halle in den kleinen Gang. Ohne anzuklopfen öffnete er die dritte Türe rechts und trat ein.
Nach ungefähr 5 Minuten kam er wieder aus dem Raum, begleitet von einem Angestellten. Dieser teilte den Wartenden mit, der Job sei vergeben, sie könnten nach Hause gehen.

Unter den Wartenden machte sich Unmut breit. „Dieser Mann hat sich nach vorne gedrängt“, rief einer von ihnen. „Ich war an der Reihe“, schrie ein anderer. Im Nu schloss sich eine geifernde Menschentraube um die Beiden. Zwei drahtige Kerle zerrten an dem Bewerber. Bevor es zur Schlägerei kommen konnte, griff die Security ein, um die Menge auseinander zu treiben.

Der Angestellte, ein älterer Herr mit einem schneeweißen Bart, aber hob seine Arme mit einer Geste der Beschwichtigung. Es dauerte noch eine kurze Weile, bis die Menschen erkannten, dass ihnen etwas gesagt werden sollte. Und da trat Ruhe ein.

Der Personalchef stellte sich kurz vor und erklärte den Wartenden, warum der Mann mit der Nummer 254 diesen Job bekam:
„Jeder von Ihnen hatte dieselbe Chance. Jeder von Ihnen hörte das Hämmern im Hintergrund. Vielleicht dachten Sie, wir würden gerade umbauen, würden renovieren. Aber dem ist nicht so. Wir sind eine Telegraphen-Gesellschaft und was da zu hören ist, sind unsere Morse-Operatoren. Während unserer Bewerbungszeit hämmerte einer von ihnen etwas, das über den Lautsprecher verstärkt wurde:

„Wenn du das verstehst, gehe in den Gang B und trete durch die Tür des Raumes B1-233. Klopfe nicht an, sondern gehe einfach rein und du hast den Job.“

Liebe Leserin, lieber Leser,
jeden Tag strömen unzählige Signale unserer Umgebung auf uns ein.
Nur einen Teil davon nehmen wir bewusst wahr. Den Rest registrieren wir nicht oder blenden ihn ganz unbewusst aus.
Das, was wir wahrnehmen, interpretieren wir.

Dazu bedienen wir uns eines subjektiven Filters. Vielfach gleichen wir Signale und Reize mit dem ab, was wir in der Vergangenheit erfahren und erkannt haben. Neues hat oft keine Chance, unsere Filter zu passieren.

So kommt es, dass wir manche Möglichkeiten nicht erkennen. Wir verpassen Vieles.

Wechseln Sie daher einfach mal Ihre Filter. Üben Sie sich in Neugier, versuchen Sie die Signale neu zu interpretieren. Als Sie noch ein Kind waren, sahen Sie die Welt mit unverbrauchten Augen. Holen Sie diese Eigenschaft hervor und geben Sie Ihrem Glück die Chance, Sie zu erreichen.

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